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„Krone“ fälscht Königin 2002 nach Innsbruck 2012

Aus dem Ehrenkodex der österreichischen Presse:

3.3. Fotomontagen und Bildbearbeitungen, die von flüchtigen Lesern/innen als dokumentarische Abbildungen aufgefasst werden, müssen deutlich als Montagen oder Bearbeitungen kenntlich gemacht werden.

Aus der Kronen Zeitung von gestern:

(Kronen Zeitung, 18. 2. 2012, S. 12)

Königin Beatrix bangt im Innsbrucker Spital um das Leben ihres Sohnes.

Nachdem das mit den falschen, acht Jahre alten Hunde-Horrorfotos so toll gelaufen ist, setzt die „Krone“ auf den Redaktionsrekord jetzt noch zwei Jahre drauf. Und fälscht nun sogar aktiv Bilder, nach der bewährten Regel: „Das Foto muss nicht stimmen, nur die Stimmung muss.“

Und wenn der Promi nicht will, dann ab ins Bildarchiv. Kurz gesucht nach „Königin Beatrix traurig“ oder „auf Begräbnis“. Ein bisschen Photoshop, et voilà: Eben noch auf der Beerdigung der britischen „Queen Mum“, vor knapp zehn Jahren, und schon vor dem Krankenhaus in Innsbruck. Als hätte sie dort extra kurz posiert.

"09 Apr 2002" (ähnl. Bilder, selber Tag)

Das muss man sich echt mal geben: Die Kronen „Zeitung“ schneidet aus einer zehn (!) Jahre alten Aufnahme Königin Beatrix heraus, weil da Blick und Outfit gerade „passen“, und montiert sie vor die Innsbrucker Uniklinik, scheinbar aktuell besorgt um ihren verunfallten Sohn. Und das Ganze mit fast schon branchenuntypischer Akribie gefälscht, sodass die zunehmend presbyope Leserschaft den Schwindel kaum erkennen dürfte.

Da hätten wohl selbst die notorischsten Kronen, äh, royalen Blätter, die wir alle natürlich nur vom Friseur kennen, ein wenig Skrupel gehabt. So für ca. zwei Sekunden. Aber die würde auch niemand „Zeitung“ nennen.

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13 Kommentar(e)

irishwolfhound - Am 19. Februar 2012 um 18:58

ich hab gerade heute gelesen, dass sisi in den letzten über 10 jahren kein aktuelles photo mehr raus gegeben hat und deshalb regelmässig ein altes bild neben das jeweils aktuelle ihres mannes montiert wurde, er also im gegensatz zu ihr alterte. ein blatt, welches sich krone nennt, handelt also nur in „guter, alter tradition“ und ist charmant zur niederländischen königin …

springbank - Am 19. Februar 2012 um 20:00

schade, dass ihr das originalbild nicht gefunden habt, aus dem hier offensichtlich herausgeshoppt wurde.

so bleibt es nur ein verdacht, ja, ein ziemlich starker verdacht, die kleidung, der kragen (?), die handschuhe, der hut, klar, die wahrscheinlichkeit geht gegen 99,9 Prozent. Es ist wahrsheinlich, aber nicht bewiesen. Un dass ihr es hier als Tatsache hinstellt, ist kein guter Stil. Der Bildblog wäre im Konjunktiv geblieben.

Meint ein wohlgesonnener Leser

Peter Pfeiffer - Am 19. Februar 2012 um 21:43

@springbank

0,1 Prozent ist ein wenig viel. Hier eine Aufnahme von corbis aus ähnlicher Perspektive:

https://www.corbisimages.com/stock-photo/rights-managed/DWF15-225802/queen-mothers-funeral

Die Perspektive(n) der abgedruckten Collage sind es auch, die die schlechte Montage auf den ersten Blick erkennen lassen. Weitwinkelaufnahmen aus geringer Distanz zum Motiv eigenen sich nicht besonders als Hintergrund für solche Spielereien.

Sonja Bettel - Am 19. Februar 2012 um 22:06
Sonja Bettel - Am 19. Februar 2012 um 22:19

Die APA hätte sogar eines gehabt https://tirol.orf.at/news/stories/2521680/

Hans Kirchmeyr
Hans Kirchmeyr (Autor) - Am 19. Februar 2012 um 22:28

@Sonja: Ja, aber erst heute – natürlich viel zu spät, für die “Nummer 1”.

PS: Witzig, die APA datiert das Foto mit 17.6.2003 (auf sowas ist also auch kein Verlass ;-))

daMasta - Am 20. Februar 2012 um 09:26

@ springbank
Dass man presboyp sein muss, um den Fake nicht zu erkennen, steht doch im Konjunktiv. Also selbst wenn Sie es nicht erkennen und nicht weitsichtig sind, ist doch alles journalistisch korrekt 😉

moep - Am 20. Februar 2012 um 19:43

als ob die da steht und sich fotografieren lässt.. und dieser blick dazu..

Dr. Hoemmal - Am 20. Februar 2012 um 19:45

Es stand doch sogar im Artikel, daß die Königin extra in Schwarz zum Krankenhaus fuhr, vermutlich um die Fotostimmung noch besser zu erreichen.

barney - Am 22. Februar 2012 um 08:24

Die Haupt-Frage müßte hier sein: warum überhaupt ein Bild? Traut man dem Leser nicht zu, sich eine Königin vorzustellen, die bangt? Eine bangende Königin vor einem Krankenhaus? Warum muß das auch noch veranschaulicht werden? Ist ebenso informativ wie das Bild der Glücksfee, die die sechs Richtigen gezogen hat…

Michael - Am 24. Februar 2012 um 13:11

Find ich ja sehr lustig. Einerseits macht man die – „zunehmend presbyope“ – Leserschaft der „Krone“ lächerlich, um sich dann über ein „Problem“ aufzuregen, dass der „nicht-presbyopen“ Leserschaft von „Kobuk“ wohl gar nicht als solches erscheinen dürfte, immerhin fällt die Montage ja eh nur Sehschwachen nicht auf. Was ich aus dem Artikel nicht herauslesen konnte: Ist eine Montage – mit neuen oder alten Ursprungsfotos – prinzipiell ein Problem (ich würd da eher Nein sagen) oder liegt das Problem darin, dass die Montage nicht als solche gekennzeichnet wurde (da würd ich dann eher Ja sagen)?

glg

Michael - Am 24. Februar 2012 um 13:13

So, gleich noch mal: Den ersten Absatz des Artikels hab ich dann (als nicht presbyoper Mensch) wohl überlesen, zumindest meine Frage ist somit beantwortet 😉

heinz - Am 24. Februar 2012 um 17:45

die frau is halt einfach sparsam veranlagt. mit der begräbniswäsche von vor zehn jahr den sohn in der klinik besuchen.
und praktisch auch. im ernstfall musse sich net amal umziehen