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Kategorie: Exxpress

Wir wollten für diesen Artikel eine simple Frage beantworten: Welches Medium bekommt in Österreich wie viel öffentliches Geld? Die Frage ist jedoch gar nicht so einfach zu beantworten. Denn Medienförderungen sind ein einziger, unübersichtlicher Dschungel, was die Frage nach Transparenz und Vergabepraxis aufwirft.

Wenn Medien über öffentliche Gelder und Förderungen für Medien berichten, dann oft so, dass man mit dem Finger auf andere zeigt. Die anderen bekommen viel mehr, und überhaupt viel zu viel, so der Tenor. Christian Nusser, Chefredakteur von „Heute“, umschrieb diese Mentalität einmal als „gutes Geld, das man selbst hat, und das schlechte Geld, das andere (noch?) besitzen.“ Daher folgt hier ein Versuch ganz nüchtern aufzuzeigen, wie es wirklich ist.

https://kobuk.reiter.work/2023/07/so-viel-oeffentliches-geld-bekamen-medien-2022/

Dieser Artikel erscheint parallel im Falter. Co-Autoren sind Florian Klenk und Barbara Toth.

Wie ein kleines, aggressives Online-Medium mit Steuergeld und Gerüchten die öffentliche Arena mit Putin-Propaganda flutet – und dennoch von ÖVP-Ministern hofiert und finanziert wird. Eine Dokumentation. 

Putin und Russland Propaganda im Exxpress

https://kobuk.reiter.work/2023/06/putins-propaganda-exxpress/

Der Exxpress glaubt einmal mehr eine Verschwörung aufgedeckt zu haben. Bei der Berichterstattung über die Amokfahrt am Kölner Flughafen am 24. März haben die meisten Medien nämlich nur erwähnt, dass der Täter mutmaßlich psychisch krank sei, nicht jedoch, in welchem Land er auf die Welt gekommen ist. Der Vorwurf einer gezielten Täuschung fällt allerdings aus verschiedenen Gründen in sich zusammen.

Der Exxpress beklagte, dass Leser:innen der „Mainstream-Medien“ bewusst getäuscht werden:

Diese Vorgangsweise in vielen Medienhäusern ist irritierend: Die Leser sollen nicht mehr erfahren, wenn ein Migrant ein Schwerverbrechen verübt hat, sie sollen nicht mehr die ganze Wahrheit kennen.

Dabei ist die Nicht-Erwähnung der Herkunft keine Täuschung, sondern ein Kriterium journalistischer Sorgfalt. Denn der deutsche Presserat – und die meisten Medien, die über den Vorfall berichteten, sind aus Deutschland – appelliert daran, vorsichtig mit dieser Information umzugehen: „Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse.“

Ein solches begründetes öffentliches Interesse gibt es beispielsweise, wenn man erst durch die Biografie des Täters die Hintergründe zur Straftat besser versteht. Neugier ist hingegen kein legitimer Grund.

Ebenso wenig reicht es aus, wenn man einfach nur vermutet, die Tat habe etwas mit der Nationalität zu tun. Im genannten Fall gab es keine Anhaltspunkte, dass die Herkunft relevant sei. Einer Redaktion gegenüber nannte die örtliche Polizei zwar, woher der Mann stammt, zur Erklärung der Tat bezog sie sich aber stets auf die psychische Erkrankung des Mannes. Und hier zeigt sich, wie ernst es Medien mit der redaktionellen Verantwortung nehmen.

Durch die „Erwähnung der Herkunft in der Überschrift oder Wiederholungen“ werde die „Gruppenzugehörigkeit unangemessen herausgestellt“, was Diskriminierung begünstige, so der deutsche Presserat. In Österreich ist der Presserat übrigens weniger konkret. Im Ehrenkodex gibt es keine genauen Richtlinien, unter welchen Umständen die Herkunft zu nennen ist.

Der Großteil der Berichterstattung hat aber in Deutschland stattgefunden, und dort gilt eben der deutsche Pressekodex. Der Exxpress scheint hier also etwas zu vermissen, dass in seriösen Medien schlichtweg nichts verloren hat.

Und dann gibt es da noch zwei Kuriositäten: Als Beleg für die Verschwörung der “Mainstream-Medien” zitiert der Exxpress zum einen einen Artikel, in dem der Täter „sogar als ‚Bielefelder'“ bezeichnet wird. Abgesehen davon, dass der Mann tatsächlich Bielefelder ist, wurde in ebenjenem Artikel die Herkunft sogar genannt. Allerdings ohne diese besonders hervorzuheben.

Und außerdem: Auch der Exxpress hat einen Text über die Amokfahrt veröffentlicht, in dem die Herkunft des Täters unerwähnt bleibt. Wenn nur der Exxpress wüsste, was der Exxpress schreibt…

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https://kobuk.reiter.work/2023/03/exxpress-will-taeuschung-der-mainstream-medien-aufgedeckt-haben-und-taeuscht-sich-dabei-selbst/

Wäre es nicht schön, einen Blick in die Zukunft zu werfen? Laut dem Horoskop soll genau das möglich sein. Freilich, ein leeres Versprechen. Das merkt schnell wenn man bei verschiedenen Medien sein Horoskop liest: Laut Kurier ist heute mein Optimismus im Job ansteckend; laut Kronen Zeitung soll ich heute – ebenfalls im Beruf – „mit Konsequenzen warten, bis sich der Ärger gelegt hat“. Wer bitte erfindet diese Texte?

Montage: Thomas Pichler Originalbild: Xolo Piks auf vecteezy.com

Die Zukunft liegt nicht in den Sternen.

Ich wollte wissen, wie Horoskope tatsächlich entstehen und habe mich auf die Suche nach Menschen gemacht, die in den diversen Medien für die Horoskope verantwortlich waren. Am Ende habe ich mit acht Gesprächspartner:innen gesprochen, die mir erzählt haben, wie das in ihrem Medium läuft.

Kurz gesagt: Manchmal sind Redakteur:innen für Horoskope zuständig, manchmal Praktikant:innen, und manchmal werden sie automatisiert von irgendwelchen Plattformen übernommen. Wie absolut willkürlich Horoskope mitunter erfunden werden, hat mich dann aber doch überrascht. Hier erzählt zum Beispiel Philipp* wie das bei Radio OE24 (mittlerweile Radio Austria) abläuft.

 

Nicht viel besser sieht das bei Puls4, Miss, Infoscreen, eXXpress und den Regionalen Medien aus, aber der Reihe nach:

Puls4 nicht ganz am Puls der Zeit

Martina* war in der Redaktion von Puls4 tätig, unter anderem war sie für die Horoskope im beliebten Morgenmagazin Cafe Puls zuständig. Normalerweise hat man sich von anderen Horoskopen im Internet „inspirieren“ lassen, erzählt sie – also Copy & Paste. Von einem Tageshoroskop konnte keine Rede sein, denn diese wurden Wochen, wenn nicht Monate, im Voraus produziert. Wenn man keine Horoskope auf anderen Seiten zum Abschreiben finden konnte, war man gezwungen, selbst irgendetwas zu erfinden.

 

In der Regel sei ein:e Redakteur:in oder Praktikant:in einen ganzen Tag der Woche nur mit der Vorproduktion von Horoskopen beschäftigt gewesen. Martina erzählt uns, wie diese Arbeit konkret ausgesehen hat:

 

Horoskope auf der eXXpress-Tour

Beim Frühstücksfernsehen auf eXXpress.tv war lange Zeit geplant, den Tag mit einem Horoskop zu beginnen. Peter, ein ehemaliger Redakteur, erzählt uns, wie die Arbeit dort aussieht: Die Horoskope wurden meistens von einer Praktikant:in geschrieben und nie kontrolliert, sagt er. Das sei aber auch völlig egal gewesen, denn das Horoskop wurde oft nicht am selben Tag ausgestrahlt — oft ist es aus Zeitgründen geflogen und an einem anderen Tag ausgestrahlt worden. Als die Sommer-Praktikant:innen weg waren, wurde dasselbe Horoskop einfach wieder gespielt, oft sogar mehrmals hintereinander.

Eine satirische Vorhersage auf dem Infoscreen

Bei den Online-Medien ist die Lage nicht sonderlich besser. Der Infoscreen begleitet die meisten Wiener:innen in den Öffis, sein Mondkalender und sein Jahreshoroskop nimmt intern niemand ernst, erzählt uns Claudia. Claudia hat dort gearbeitet und beschert uns einen Blick hinter den Kulissen: “Wir haben uns immer grob an Online-Horoskope gehalten bzw. inspirieren lassen, aber versucht das ganze lustig und überdreht umzuschreiben, weil wir in der Redaktion nicht an Astrologie glauben. Das ganze war also eher ein Satire-Format, und an den Leserbriefen haben wir auch gemerkt, dass das so ankam. Entweder fanden die Leute es witzig oder sie haben sich beschwert, weil wir das Thema nicht ernst genommen haben.“ Dass die Redaktion die Horoskope als Satire sieht, ist aber jedenfalls ein Insider-Joke. Als Satire gekennzeichnet sind sie freilich nicht.

Im Radio OE24 klingen die Horoskope anders

Auch andere Medien nehmen das Horoskop nicht ernst. Die Redaktion von Radio OE24 (jetzt Radio Austria) zählt hier ebenfalls dazu. Philipp erzählt von einer völlig wirren Arbeitsweise: bei Radio OE24 wurden die Horoskope zu den Kategorien Liebe, Beruf und Gesundheit täglich von einer „Wahrsagerin“ geliefert. Offensichtlich war das nicht spannend genug und Philipp musste jeden Tag nach eigenem ermessen Änderungen vornehmen:

 

Anscheinend wirken Prozentsätze bei Horoskopen spannender.

Regionale Unterschiede im Print

Im Printbereich sieht es nicht viel besser aus. Benedikt hat bei den Regionalen Medien Austria 20 Jahre lang gearbeitet. Der Verlag ist vor allem für „Mein Bezirk“ bekannt. Benedikt hat uns verraten, wie das Horoskop dort entsteht: „Diese wurden einmal von einem deutschen Anbieter eingekauft, sicher nicht mehr als 2-3 Stück für jeden Monat des Jahres. Diese wurden immer wieder verwendet, über Jahrzehnte, weil “merkt ja eh keiner”. Jedes Mal, wenn ein großes Inserat storniert wurde oder aus anderen Gründen plötzlich ein Loch in der Zeitung war, landete eben ein 10 Jahre altes Horoskop in der Zeitung, das wahrscheinlich schon 20+ Mal veröffentlicht wurde. Die Pointe: es hat tatsächlich niemand bemerkt.”

Sabrina hat vor Jahren ein Praktikum beim Kurier gemacht und war dort ebenfalls für Horoskope zuständig. Sie erzählt uns, dass sie ein sogenanntes Mondbuch in der Hand gedrückt bekommen hat. Ein Mondbuch ist eine Sammlung von Horoskopen bzw. diverser astrologischer Sprüche. Solche Sprüche werden dann direkt für das Tageshoroskop übernommen – auch wenn das Buch aus einem früheren Jahrzehnt stammt.

MISStake bei einem Frauenmagazin

Laut eine Statistik aus Deutschland glauben Frauen eher an Horoskope als Männer. Es ist also keine Überraschung, dass Horoskope und Astrologie prominente Plätze in Frauenmagazinen bekommen. Miss Media bietet neben Tages- auch Wochenhoroskope an. Als Praktikantin wurde Maria gefragt, ob sie die Horoskope übernehmen könne: “Als ich gefragt habe, woher ich die Informationen dafür nehmen soll, ist mir schnell aufgefallen, dass dies nicht so eng gesehen wird. Mir wurde gesagt, ich könnte mich zum Beispiel im Internet umschauen, was andere Medien oder Horoskopseiten aktuell so schreiben und mich davon „inspirieren“ lassen. Und das habe ich auch getan…. Woher ich diese Informationen hatte, wurde von niemandem mehr hinterfragt oder kontrolliert.”

Eine Sternlesung aus der Dose

Wenn Medien die Horoskope also nicht selbst frei erfinden, werden sie oft von externen Quellen kopiert. Entweder per Copy&Paste plagiiert, oder von Agenturen gegen Geld. Auf Anfrage erzählte mir die Kleine Zeitung, dass sie ihre Horoskope von der Rätselagentur Kanzlit beziehen – online findet man neuerdings auch die Agentur Viversum als Quelle.  Die Kronen Zeitung gibt bei ihren Horoskopen die Agentur Riccarda Ritter an; Astro.de und Horoskop.at werden auch oft verwendet. Diese Agenturen sind vor allem bei Online-Medien beliebt, denn die Beiträge werden automatisch aktualisiert.

Diese Seiten bieten im Übrigen auch ganze Artikel an, nach der Machart „Diese 5 Sternzeichen sind am besten im Bett“. Beliebter Clickbait, aber sie kosten bis zu 299 Euro pro Text. Das ist wohl mit ein Grund, warum solche Texte vielfach von Praktikant:innen oder Lifestyle-Redakteur:innen geschrieben werden, wie uns eine Brancheninsiderin erzählt.

Wir haben alle erwähnten Medien um eine Stellungnahme gebeten:

Radio Austria: Seit der Übernahme von Alex Nausner als Programmdirektor soll es „keine Horoskope im Programm geben“.

Miss: „In den vergangenen Jahren gab es unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Erstellung der Horoskope. Inhalte von anderen Seiten zu „kopieren“ zählt jedenfalls nicht dazu. Aktuell arbeiten wir seit einigen Jahren online mit Viversum zusammen. Für unsere Printausgaben ziehen wir ebenfalls ExpertInnen für Horoskope heran.“

Kurier: „Das Horoskop erwerben wir käuflich von Frau Hübner, einer Astrologin.“

Von Puls4, eXXpress und Infoscreen haben wir keine Rückmeldung bekommen.

 

*Alle Namen wurden geändert, um die Anonymität zu bewahren. Außerdem haben wir die Stimmen verzerrt.

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Dieser Artikel entstand im Rahmen des Master-Studiums für Journalismus an der FH-Wien.

https://kobuk.reiter.work/2023/02/so-willkuerlich-entstehen-horoskope-in-medien/